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Zur Geschichte und Problematik des Landes

Im Jahr 1492 entdeckte Christoph Kolumbus die Insel Hispaniola, deren westliches Drittel das heutige Haiti ausmacht, den Ostteil nimmt die Dominikanische Republik ein. Die ursprünglich indigene Urbevölkerung dieser Insel, die Arawaks, wurden nach der Entdeckung fast vollständig ausgerottet.

 

Im späten 17. Jahrhundert wurde die Insel mit afrikanischen Sklaven besiedelt, die auf den Zuckerplantagen arbeiten mussten. 1697 erhielt Frankreich das westliche Drittel der Insel von Spanien. Dieses Gebiet entwickelte sich im 18. Jahrhundert zur reichsten Kolonie des französischen Kolonialreichs.

 

Am 22. August 1791 brach ein Sklavenaufstand aus, der im Jahr 1804 zur Unabhängigkeit von Frankreich führte. Haiti war die erste unabhängige Republik von Schwarzen und Mulatten. Sie setzte sich daraufhin auch in den anderen lateinamerikanischen Ländern für die Abschaffung der Sklaverei ein.

 

In der Kolonialzeit zählte Haiti zu den reichsten Ländern der Karibik. Um die Anerkennung der Unabhängigkeit von der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich zu erhalten, musste Haiti sich jedoch „freikaufen“. Die Jahrzehnte währenden Zahlungen an Frankreich brachten das Land wirtschaftlich in große Bedrängnis. Die andauernde politische Instabilität, die Exporte von Nahrungsmitteln in die USA und die langjährige Misswirtschaft bewirkten, dass Haiti zum „Armenhaus Amerikas“ absank.

 

Die innenpolitische Situation in Haiti war in den letzten Jahrzehnten von wiederholten Krisen geprägt. Staatsstreiche, Militärputsche, ausländische Interventionen, Diktaturen mit Ausbrüchen von gewalttätigen Konflikten und Verletzungen der Menschenrechte zermürben das Land bis heute. Hinzu kommt, dass Haiti den größten Teil seiner Geschichte von Gewaltherrschern und Kleptokraten (sich selbst bereichernde Machthaber) regiert wurde.

 

Rechtsstaatliche Ordnung, institutionelle Strukturen und gesellschaftliche Verhaltensregeln sind praktisch nicht vorhanden. Verbreitete Korruption, mangelnde Strafverfolgung, Wahlbetrug, kriminelle Banden, Drogenhandel und Gewaltbereitschaft verschlimmern die Lage zusätzlich. Zur schlechten wirtschaftlichen und innenpolitischen Situation Haitis kommt noch die Einzelgängerrolle des Inselstaates. Haiti findet bei seinen Nachbarländern wenig Unterstützung, da es an keinen größeren Kulturkreis angeschlossen ist.

 

Die Insel befindet sich über zwei tektonischen Platten, deren Reibung zu häufigen Erdbeben in dieser Region führt. Am 12. Januar 2010 suchte ein schweres Erdbeben den südlichen Teil Haitis heim. Mehr als 200.000 Tote wurden aus den Trümmern geborgen. Ganze Stadtteile sind eingestürzt.

 

Im April 2011 wurde Michel Martelly zum Präsidenten gewählt. Der als „Sweet Micky“ bekannte Sänger zeichnet sich durch große Beliebtheit bei der haitianischen Bevölkerung aus, verfügt aber über keinerlei politische Erfahrung. Das gereichte ihm bei der Regierungsbildung zum Nachteil. Lange Zeit befand sich Haiti in einem politischen Vakuum, weil Martelly im Parlament seine Kandidaten für den Regierungschef nicht durchsetzen konnte. Seit dem 4. Oktober 2011 wurde auf Druck der internationalen Länder hin Garry Conille als neuer Regierungschef akzeptiert.

 

Martelly ist mit gewaltigen Herausforderungen konfrontiert. Hilfsorganisationen und Aufbauhilfe kamen in den letzten Monaten kaum zum Zuge, weil die Behörden wegen der nicht funktionstüchtigen Regierung keine Entscheidungen treffen konnten. Ob sich Martellys politische Unerfahrenheit auch weiterhin bei dem Aufbau des Landes rächen wird, bleibt abzuwarten. Probleme wie die Gewalt in den Zeltstädten, die weiterhin grassierende Cholera und die wachsende Unzufriedenheit bei den Menschen harren jeden Tag dringender auf Lösungen.

 


 

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